Über uns

Reitverein aus und für die Region Willisau

Rund 85 aktive Reiterinnen und Reiter aus dem Luzerner Hinterland sind Mitglieder des Kavallerie-Reitvereins Willisau. Die Springreiter bilden unangefochten die Mehrheit. 1996 durften wir dank dem Patenpaar Edith Tschopp und Franz Haas, beides aktive Ehrenmitglieder, unsere wunderschöne neue Standarte einweihen. Auf Wunsch der Mitglieder wurde das traditionelle Sujet der ersten Fahne aus dem Jahr 1949 beibehalten. Der Treffpunkt für fast alle Aktivitäten ist der Wellberg, ein Willisauer Hausberg. Die dort ansässige Reiterfamilie Künzli stellt da grosszügig Land für einen Springplatz und ein Sandviereck zur Verfügung. Hier wird auch das alljährliche Osterspringen ausgetragen, das von vielen Reitern als erste Standortbestimmung für die neue Saison genutzt wird.

Zu einem freundschaftlichen Kräftemessen treffen wir uns jedes Jahr einmal mit den Nachbarvereinen KRV Ruswil, KRV Oberwiggertal und KRV Ettiswil zum Becherspringen. Jedes zweite Jahr bietet der offizielle Concours Mitte Juni Startchancen in den Stufen RI bis RIII, plus freie Prüfungen mit Nachtspringen. Ab Januar läuft ein Springtraining, das bis Ostern jeweils am Mittwoch und Donnerstag in der Reithalle in Ettiswil und anschliessend auf unserem Übungsplatz rege besucht wird. Ein Dressurkurs im Frühling ist auch für Nicht-Springer geeignet. In den wenigen trainingsfreien Wochen trifft man sich im Hallenbad in Willisau zum Schwimmen, damit Kondition und Kameradschaft ohne Unterbruch gepflegt werden können. Sehr geschätzt sind auch die vom Verein organisierten Ausritte. Im Sommer finden diese an mehr oder weniger lauen Vollmondnächten statt, bei denen auch schon mal Ross und Reiter nicht mehr zusammen den Heimweg fanden. Ein beliebter Jahreshöhepunkt ist der Zweitagesritt am Bettagswochenende, mit sehr wenig Schlaf (wenigstens für die Reiter). Damit auch die unberittenen Familienmitglieder nicht zu kurz kommen, werden Jass und Kegelabende, Familienpicknicks und Ausflüge organisiert. Überhaupt ist das Jassen eine grosse Leidenschaft vieler Mitglieder und fehlt praktisch an keinem Treffen. Der Vereinsmeister wird jeweils am 15. August erkoren. Dieser ganz spezielle Tag beginnt mit einer Einlaufprüfung in drei Stufen. Der anschliessende Gottesdienst zieht viele Besucher an. Da der Verein darauf ein günstiges Mittagessen anbietet, kann der oder die VereinsmeitsterIn am Nachmittag stets vor grosser Kulisse die verdiente Ehrenrunde drehen.

Susan Meierhans

Vereinsgeschichte

Aus der Vereinsgeschichte

Die Gründung von Kavallerieverein entstammt der Truppenordnung der Schweizer Armee von 1910. Der damalige Waffenchef der Kavallerie und spätere General Wille ordnete an, Kavallerievereine zu gründen, deren Aufgabe es war, die Ausübung der ausserdienstlichen Tätigkeit zu organisieren und die reiterlichen Fähigkeiten der An- gehörigen der Kavallerie zu fördern. Deshalb wurden ab 1911 in der ganzen Schweiz Kavallerievereine gegründet. So trafen sich im Herbst 1911 auch Kavalleristen aus unserer Region zu einer Versammlung, um die Gründung eines Kavallerievereins in die Wege zu leiten. Die erste Generalversammlung fand im Januar oder Februar 1912 statt. Dem neu- gegründeten Verein gab man den Namen Kavallerieverein Luzerner Hinterland. Der Gründungsort wie auch alle Namen der Gründermitglieder sind nicht bekannt. Die Protokolle aus den Anfangsjahren sind leider nicht mehr auffindbar. Einzig das Verzeichnis der Ehrenmitglieder mit deren Eintrittsjahr in den Verein ist ab Gründungsjahr vorhanden. Mit Eintrittsjahr 1912 sind darin folgende Ehrenmitglieder erwähnt: Kammermann Hans, Guide 8, Zell; Wermelinger Emil, Mitr 5, Willisau; Christen Jakob, Guide 8, Zell; Meier Anton, Schw 52, Willisau. Es sind dies somit die vier einzigen Gründungsmitglieder, die namentlich bekannt sind. Ein Jahr danach, 1913, sind die Ehrenmitglieder Walthert Robert, Guide 5, Grundmatte, Willisau und Kurmann Anton, Schw.52, Käppelimatt, Willisau, dem Verein beigetreten. 1927 wurde vom neu gewählten Aktuar ein Protokollbuch angefangen, welches als älteste verlässliche Quelle der nachfolgenden Aufzeichnung der Vereinsgeschichte zur Verfügung stand. Der Verein zählte 75 Aktivmitglieder. Der erste Hinweis auf das Gründungsjahr kann einer Einladung zum Karabinerschiessen vom 22. Juli 1928 entnommen werden, der da heisst: ?An der Generalversammlung wurde beschlossen, diesen Sommer ein Karabinerschiessen durchzuführen. Da haben wir die Gelegenheit, die Gründer und Vorfahren, welche im Jahre 1912 unseren Verein ins Leben eingesetzt haben und der sich bis heute zu einem starken Baume entwickelt hat, einzuladen, sich mit uns jungen Nachfolgern bei einem friedlichen Wettkampf zu messen?. Der Gründungszweck war wie bereits erwähnt, ein militärischer. Aktivmitglied konnte nur werden, wer im Auszug einer berittenen Einheit angehörte. Selbst \"berittene Offiziere anderer Waffengattungen fanden keine Aufnahme als Aktivmitglied. Die Vereinsmitglieder waren meist bäuerlicher Herkunft. Man traf sich bei Ausritten und wehrsportlichen Übungen wie etwa zum Karabiner- schiessen oder bei Felddienstübungen, im Winter wurden Schlittenfahrten organisiert. Landwirtschaftliche Maschinen im heutigen Sinne gab es nicht. So war das Bundespferd, der Eidgenosse, in erster Linie für die Arbeit auf dem Felde und im Wald bestimmt.

Sportliche Tätigkeit

Sehr früh wurden Veranstaltungen und Reiterwettkämpfe organisiert. Erste urkundlich festgehaltene Veranstaltung war die Springkonkurrenz vom 18. März 1928 in Grosswangen gegen den Kavallerieverein Ruswil. Dieses Treffen wird heute noch alljährlich unter dem Namen ?Becherspringen Willisau – Ruswil? durchgeführt. Am 14. Juli 1929 wurde in Willisau die 6. Grosse Springkonkurrenz ausgetragen. Alle Springkonkurrenzen wurden früher recht feierlich organisiert. Dazu gehörte in jedem Falle eine Festmusik, welche beim obligatorischen Aufritt der Teilnehmer durch den jeweiligen Austragungsort zu spielen hatte. Auch die Aufstellung des Festzuges war vorgegeben. Zuvorderst die Festmusik, es folgten die Ehrendamen, das löbliche Preisgericht (alles Offiziere), das Organisationskomitee, die Mitglieder vom organisierenden Verein, und am Schluss die übrigen Teilnehmer. Der Auswahl der Ehrendamen wurde grosse Beachtung geschenkt; Die Auswahl, ein Ehrenamt, oblag meistens einem Vorstandsmitglied. Bei grösseren Veranstaltungen wurde oftmals namentlich festgelegt, in welcher Reihenfolge vorgegangen werden sollte. Der Vorrat, so scheint es heute, war unerschöpflich. Dass oftmals die richtigen Damen ausgewählt wurden, beweist die Tatsache, dass mancher Kavallerist aus der Schar der Ehrendamen seine Gemahlin gefunden hat. Länger dauerte da schon die Suche nach einem Übungsplatz. 1929 stellte die Korporation Willisau-Stadt auf der Adlermatte eine Matte für Springübungen zur Verfügung. 1930 wurde das erste und bis heute einzige Vereinsabzeichen angeschafft. Das Abzeichen, ein Pferdekopf, durch ein Hufeisen und zwei Reitpeitschen eingerahmt, war im Hintergrund in den Kantonsfarben emailliert und versilbert. Vielen ehemaligen Vereinsmitgliedern ist dieses Abzeichen noch in bester Erinnerung. 1932 konnte in Gettnau (Stalden) ein neuer Springgarten gefunden werden. Im selben Jahr wurde in Schötz ein Freundschaftsspringen ausgetragen, zu welchem auch die Kavallerievereine Sursee, Sempach, Ruswil und Oberwiggertal eingeladen wurden. Aufgrund der Mitgliederverzeichnisse wurde festgelegt, wie viele Ritte für das Klassement gewertet werden musste. Wenn man die gemeldeten Mitgliederbestände vergleicht, kann festgestellt werden, dass der Kavallerieverein Luzerner Hinterland damals mit Abstand der grösste Verein weit und breit war. Oberwiggertal meldete einen Bestand von 19 Mitgliedern. Ruswil deren 35, Sempach 36, Sursee 42 und die Luzerner Hinterländer meldeten einen Bestand von 84 Vereinsmitgliedern. Die Mitgliederzahl reduzierte sich merklich, als 1933 der Kavallerieverein Zell gegründet wurde. 1934 fand im Schachen, Luthern, das erste Freundschaftsspringen Willisau - Oberwiggertal statt. Der Skiklub «Napf» Willisau organisierte im Februar 1935 auf dem Schlossfeld ein Skijöring. Den Kavalleristen bot sich erstmals die Gelegenheit, in dieser aus dem Norden Europas stammenden Sportart ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. 1939 folgte aus den Reihen der Vereinsmitglieder der erste Antrag auf Namensänderung, welchen aber nicht zugestimmt wurde. Im selben Jahr wurde mit dem Kavallerieverein Zell das erste Freundschaftsspringen vereinbart. 1944 wurde die Namensänderung beschlossen. Kavallerieverein Willisau und Umgebung war der neue Vereinsname. Beim Festzug in Willisau 1945, zur Eröffnungsfahrt der elektrischen Bahnlinie Huttwil - Wolhusen, wurden 27 Mitglieder als Bannerträger eingesetzt. Nach mehrmaliger Ablehnung wurde 1948 dem Beitritt zum Zentralschweizerischen Kavallerieverein ZKV zugestimmt.

Erste Standarte

An der Generalversammlung vom 20. Februar 1949 wurde im Gasthof Krone in Menznau beschlossen, eine Vereinsstandarte anzuschaffen. Als OK-Präsident wurde Hans Aregger, Posthalter, Daiwil gewählt. Der Willisauer Lehrer Emil Steffen wurde mit dem Entwurf der Standarte beauftragt. Am letzten Oktobersonntag fand die feierliche Standartenweihe statt. Ranghohe Offiziere wurden zum Fest eingeladen. Während dem Festgottesdienst in der Heilig-Blut-Kapelle wurde die Standarte gesegnet. Nach der Festansprache auf dem Kirchenplatz übergab das Patenpaar, Madame von Sonnenberg, Schloss KasteIen, Alberswil und Adolf Vogel, Wüschiswil, Grosswangen, die Standarte dem Verein. Anschliessend an das Mittagessen folgte der Festzug durchs Städtchen nach der Grundmatte. Dort wurde ein Freundschaftsspringen für Soldaten und Unteroffiziere sowie mit Equipen befreundeter Kavallerievereine ausgetragen. 1952 war Willisau Tagungsort der Delegierten der Zentralschweizerischen Kavallerievereine. An der Generalversammlung 1954 wurde einer Verlängerung des Pachtvertrages für den Übungsplatz auf dem Wellberg nicht mehr zugestimmt. Alle grossen oder offiziellen Springkonkurrenzen wurden mit einer Ausnahme (1953 Grundmatte) in Willisau auf dem Schlossfeld durchgeführt. Dies änderte sich 1955. Erstmals konnte auf der Festhallenmatte eine Springkonkurrenz ausgetragen werden. Es war dies der Beginn eines langjährigen Gastrechts auf der in Reiterkreisen landesweit geschätzten Festhallenmatte. 1957 konnte ein neuer Übungsplatz in der Nähe der Festhalle eingerichtet werden.

Öffnung für Nicht- Kavalleristen

Im Zusammenhang mit der Truppenordnung 1961 beantragt der Bundesrat die Abschaffung der Kavallerie. Doch pflichteten der National- und Ständerat lediglich einer Herabsetzung der Schwadronenzahl auf 18 zu. Mit diesem Abbau nahm der Zustrom an Neumitglieder zusehends ab. Die Kavallerievereine fühlten sich in ihrer Existenz bedroht. Eine Öffnung war vonnöten. Es dauerte dennoch einige Jahre, bis 1967 die ersten Nicht-Kavalleristen als Aktivmitglieder in den Verein aufgenommen wurden. Der technische Fortschritt sowie der Einsatz von Traktoren in der Land- und Forstwirtschaft verdrängten langsam aber sicher das Pferd als Arbeitstier. Die Freizeitgestaltung mit dem Pferd, vorab im Springsport, nahm zu. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden musste ein neuer Übungsplatz gesucht werden. Man fand diesen 1970 an der Menznauerstrasse bei der Firma Ackermann-Fahrzeugbau. Mit der erstmaligen Austragung des Frühlingsspringens 1971 in Ettiswil wurde eine Veranstaltung ins Leben gerufen, deren Durchführung bis heute einen festen Platz im Veranstaltungskalender hat. Selbstverständlich viel zu reden gab innerhalb des Vereins wie auch in der Öffentlichkeit die 1972 beschlossene Abschaffung der Kavallerie. Es ist verständlich, dass die Auflösung einer solch traditionsreichen und in ländlichen Kreisen stark verwurzelten Waffengattung nicht ohne emotionsgeladene Diskussionen und Demonstrationen vollzogen werden konnte. Der befürchtete Rückgang an Reitpferden fand jedoch nicht statt. Wie selten zuvor konnten ausgangs der siebziger Jahre neue Mitglieder in den Verein aufgenommen werden. Auf dem 1974 auf der Steinmatt in Willisau eingerichteten Übungsplatz wurde fleissig trainiert. Die Willisauer Reiter wurden landesweit zu einem Begriff. An der Generalversammlung vom 15. Februar 1975. wurde beschlossen, den Vereinsnamen in Kavallerie-Reitverein Willisau abzuändern. 1983 konnte bei Hansruedi Künzli auf dem Wellberg ein neuer Übungsplatz eingerichtet werden. Mit einem Feldgottesdienst wurde der Platz am 15. August feierlich eingeweiht. 1985 fand auf der Festhallenmatte die letzte offizielle Springkonkurrenz statt. Einer der bekanntesten und schönsten Springplätze der Zentralschweiz musste aufgegeben werden. Auf dem Wellberg konnten die Trainingsmöglichkeiten weiter ausgebaut werden. 1991 wurde das Sandviereck erstellt und 1994 konnte eine Platzbeleuchtung installiert werden. An der Generalversammlung 1994 wurde beschlossen, die Standarte aus dem Jahre 1949 durch eine neue zu ersetzen. Der Vorstand wurde beauftragt, auf 1996 eine Standartenweihe zu planen und ein Patenpaar zu suchen. Anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung vom 22.6.1996 im Restaurant Bahnhof wurde die neue Standarte ausgewählt. Dem mehrheitlich geäusserten Wunsch, die neue Standarte ähnlich der alten zu gestalten, entsprach der Entwurf der Fahnenfabrik Heimgartner aus Will SG. Dieser Firma wurde der Auftrag zur Ausführung übergeben. Auch das Patenpaar, Edith Tschopp-Vogel als Fahnengotte und Franz Haas als Fahnengötti wurde gewählt.

HUGO TSCHOPP